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Vamos-Bahn fährt um die Kurve, Frontalaufnahme

Jahresergebnis 2019 leicht über Plan

Nahverkehr trotz Coronavirus aufrecht halten

Die Fahrgastzahlen auf dem hohen Vorjahresniveau gehalten, die Verkehrswende vorangetrieben, das Jahresergebnis besser als geplant: In der moBiel-Zentrale in Sieker sind wir zufrieden mit dem Geschäftsjahr 2019.

Denn schwierige Umstände wie beispielsweise die rege Bautätigkeit in der Stadt hätten ein solches Ergebnis nicht unbedingt erwarten lassen. Sorgenvoller ist der Blick auf das laufende Jahr: 2020 wird es erstmals seit Jahrzehnten einen Rückgang der Fahrgastzahlen geben. Die Corona-Pandemie hinterlässt ihre Spuren.

60,1 Millionen Fahrgäste – so viel wie im Vorjahr

Knapp 60,1 Millionen Fahrgäste nutzten im Jahr 2019 Busse und Bahnen von moBiel – genauso viele wie im Vorjahr.

»Auch wenn erstmals seit Inbetriebnahme der StadtBahn 1991 die Fahrgastzahl nicht gewachsen ist, sondern stagnierte, ist dieses Ergebnis ein Erfolg«, bewertet Geschäftsführer Martin Uekmann die Zahlen. »Denn fast acht Monate mussten die Fahrgäste auf der Linie 3 wegen des Baus neuer Hochbahnsteige und Gleisanlagen in der östlichen Innenstadt mit einem Schienenersatzverkehr leben – solange wie nie zuvor bei einer Bielefelder StadtBahn-Baustelle und dazu noch auf unserem drittstärksten Streckenabschnitt. Darüber hinaus gab es auf vielen Bus-Linien Umleitungen und Verspätungen wegen der vielen Baustellen in Bielefelds Straßen. So unvermeidlich dies ist – für die Fahrgäste ist es unerfreulich.«

  2019 2018
Fahrgäste insgesamt 60,1 Mio. 60,1 Mio.
davon StadtBahn 34,8 Mio. 34,8 Mio.
davon Bus 25,2 Mio. 25,2 Mio.

Die Zukunft hat begonnen

Einen großen Schritt in Richtung Mobilität der Zukunft sind wir in den letzten eineinhalb Jahren gegangen. Verschiedene Sharingangebote ergänzen jetzt den klassischen Linienverkehr mit Bus und StadtBahn. Sie machen den Nahverkehr flexibler und bieten den Kunden maßgeschneiderte Mobilität.

»Wir sind mit den ersten Monaten bzw. Wochen insgesamt zufrieden«, zieht Cornelia Christian, Geschäftsbereichsleiterin Kundenmanagement eine erste Bilanz. »Leider hat nach gutem Start im letzten Jahr die Corona-Pandemie auch unsere neuen Angebote ausgebremst. Aber grundsätzlich haben die Bielefelderinnen und Bielefelder die neuen Verkehrsmittel sehr positiv aufgenommen.«

Alma
Alma
  • Erstes Produkt der »flowBie-Familie«
  • Start im April 2019 nach vorangegangener Testphase 
  • Rund 2.700 registrierte Nutzer
Anton
Anton
  • Seit Oktober 2019 in Sennestadt
  • Seit November 2019 in Jöllenbeck

»Viel Freude macht uns auch Anton in Sennestadt«, so Christian. »Bis Ende Mai haben wir dort schon 6.500 Tickets verkauft – trotz Corona.« Luft nach oben sei dagegen noch in Jöllenbeck, wo die Rufbusse anders als in Sennestadt tagsüber und werktags unterwegs sind.

Siggi
Siggi
  • Fahrradverleihsystem
  • Seit Mai 2020
  • Kooperation mit Nextbike, der Stadt Bielefeld und der Universität Bielefeld
CITYca
CITYca
  • E-Carsharing im free-floating-System
  • Seit Juni 2020
  • Kooperation mit CITYca
TIER E-Scooter
TIER E-Scooter
  • Seit August 2019
  • Kooperation mit TIER Mobility
  • Anfangs 400 E-Scooter, beim Corona-Ausbruch umfasste die TIER-Flotte 800 Fahrzeuge

Trotz aller Erfolge der neuen Fahrzeuge bleiben StadtBahnen und Busse das Herzstück des Bielefelder Nahverkehrs. »Nur mit ihnen ist eine flächendeckende klimaschonende Mobilität möglich, nur mit ihnen ist die Bielefelder Verkehrswende zu schaffen«, ist Geschäftsführer Martin Uekmann überzeugt.

»Deshalb ist es wichtig und richtig, unser Angebot weiter auszubauen. Wenn die neuen Angebote und die ‚Klassiker‘ ihre jeweiligen Stärken ausspielen können und intelligent miteinander verknüpft werden, bekommen wir einen noch hochwertigeren, flexibleren und leicht zu nutzenden Nahverkehr.« Und nur der überzeuge die Bürger umzusteigen. Abstrakte Klimaschutzziele reichten nicht aus.

Planungen für den StadtBahn-Ausbau gehen weiter

Intensiv beschäftigt haben wir uns im Jahr 2019 mit den Planungen für den StadtBahn-Ausbau:

Mobilitätslinie für den Bielefelder Süden

Die Vorplanung für die StadtBahn nach Sennestadt wurde und wird unter Beteiligung der Stadt, der Bezirke und der Bürgerinnen und Bürger fortgesetzt. Da wegen der Corona-Krise Vor-Ort-Termine zur Bürgerbeteiligung nicht möglich sind, haben wir jetzt ein digitales Beteiligungsverfahren aufgelegt, bei dem die Bürger online mitsprechen und Vorschläge für ein Nahverkehrskonzept rund um die Mobilitätslinie im Bielefelder Süden machen können. Ziel ist es, im Winter mit den Bürgern die Ergebnisse des Beteiligungsverfahrens zu diskutieren.

Ausbau der StadtBahn-Linie 4

Die Planung für den Ausbau der StadtBahn-Linie 4 vom Lohmannnshof in Richtung Dürerstraße befindet sich – unter Federführung der Stadt – in der Ausführungsplanung. Gebaut werden soll 2021 und 2022.

Anbindung Hillegossen

Für die Anbindung Hillegossens an das StadtBahn-Netz gab es im Jahr 2019 eine Machbarkeitsstudie und Termine zur Bürgerbeteiligung. Zurzeit warten die Verantwortlichen darauf, wie es mit dem ehemaligen Kasernengelände an der Detmolder Straße weitergeht, um eine belastbare Grundlage für weitere Planungsschritte zu bekommen.

Digitalisierung schreitet voran

Die Bielefelder Mobilität der Zukunft wird sich durch einen hohen Digitalisierungsgrad auszeichnen. Für den Betrieb von Bus und StadtBahn gilt dies schon lange. In der Beziehung zu den Kunden gewinnt sie an Bedeutung. Die neuen Angebote von Alma bis Anton sind am bequemsten und besten per App zu nutzen. Braucht man heute, auch wegen der verschiedenen Kooperationspartner, noch mehrere davon, arbeiten wir an einer umfassenden Lösung.

Ziel ist es, dass ab 2021 die Kunden für ihren Mobilitätswunsch über eine einzige App umfassende Informationen zur besten Verkehrsmittel- und Ticketwahl bekommen und dort auch gleich buchen und bezahlen können. Christian: »Das Smartphone soll zum Ersatz für den Autoschlüssel werden und genau so einfach zu bedienen sein.«

Investitionen weiter auf hohem Niveau

Im Jahr 2019 investierten wir 24,5 Millionen Euro (2018: 42,8 Mio. €). Die Mittel flossen u.a. in den Ausbau der StadtBahn-Linie 3 in der östlichen Innenstadt inklusive der Hochbahnsteige Markstraße und Krankenhaus-Mitte (7,8 Mio. Euro), die Erneuerung der StadtBahn-Abstellanlage auf dem Betriebshof in Sieker (4,9 Mio. Euro) sowie den Kauf von 18 umweltfreundlichen Mildhybrid-Bussen (6 Mio. Euro – sechs kurze, zwölf Gelenkbusse). Diese Fahrzeuge sind besonders abgasarm und kraftstoffsparend und erfüllen die derzeit strengste Abgasnorm EURO VI.

Investition trotz Corona-Pandemie

Für 2020 sind Investitionen von rund 60 Millionen Euro eingeplant. Trotz der durch die Corona-Pandemie erschwerten wirtschaftlichen Situation des Unternehmens wollen wir an der Investitionsplanung festhalten. Uekmann: »Bielefeld will den Anteil des Nahverkehrs am gesamten Verkehrsaufkommen deutlich erhöhen und so etwas für den Klimaschutz tun. Das gelingt nur, wenn wir unseren Fahrgästen moderne, komfortable und klimafreundliche Fahrzeuge bieten, die Infrastruktur erhalten und sie weiter ausbauen – auch mit dem Ziel der Barrierefreiheit. All das aber kostet Geld.«

Neue Fahrzeuge & Ausbau für die Zukunft

Neue Fahrzeuge

Allein für die 24 neuen Vamos-StadtBahnen, von denen die erste Ende des Jahres ausgeliefert werden soll, sind in diesem Jahr 29,8 Millionen Euro fällig. Weitere 3,1 Millionen Euro kosten zehn neue Mildhybrid-Busse. Die sechs kurzen und vier Gelenkbusse, die im Herbst ausgeliefert werden, dienen als Ersatz für ältere Fahrzeuge, die ausgemustert werden. Sie verfügen über mehr Mehrzweckflächen, um dem zunehmenden Raumbedarf für Fahrräder, Rollatoren oder Kinderwagen entsprechen zu können.

Wenn die neuen Busse Ende des Jahres im Einsatz sind, gehören fast alle Busse, die wir für den Linienverkehr einsetzen, zur besonders sauberen EURO-VI-Norm. 50 von ihnen sind zusätzlich Mildhybride, die gegenüber Euro-VI-Bussen noch einmal rund zehn Prozent weniger Diesel verbrauchen und entsprechend weniger Schadstoffe ausstoßen.

Weitere sechs Millionen Euro sind in diesem Jahr für die Beschaffung von vier Brennstoffzellenbussen und die dazu gehörige Wasserstofftankstelle eingeplant. Das Unternehmen setzt auf Wasserstoffbusse, weil es diese für zukunftsfähiger hält als batterie-elektrische Modelle. Die Vergabe soll diesen Sommer erfolgen, für die Auslieferung hoffen wir auf den Jahreswechsel 2021/2022.

»Praktisch die komplette Busflotte mit Euro-VI-Norm, dazu der Einstieg in die Wasserstoffnutzung – Bielefelds Nahverkehr ist deutschlandweit besonders sauber und klimafreundlich«, betont Kai-Uwe Steinbrecher, technischer Leiter von moBiel. Man habe nicht einzelne Elektrobusse gekauft und den Rest gelassen, wie er ist, sondern in der Breite in Klimafreundlichkeit investiert. »So helfen wir der Bielefelder Luft mehr.« Ein Engagement, das hohe Investitionen erfordert: Für die neuen StadtBahnen die Busflotte und für den Umbau des Betriebshof Sieker, der wegen der Vergrößerung der Fahrzeugflotte notwendig ist, gibt moBiel allein in den fünf Jahren von 2018 bis 2022, so der Plan, an die 120 Millionen Euro aus.

Ausbau für die Zukunft

Auch 2020 geht der barrierefreie Ausbau der StadtBahn-Linie 3 in der östlichen Innenstadt weiter. Ab September entsteht der neue Hochbahnsteig Sieker Mitte, gelegen zwischen den heutigen Haltestellen Hartlager Weg und Sieker Mitte. »Damit ist die Linie 3 zwischen Stieghorst Zentrum und Innenstadt komplett barrierefrei«, so Steinbrecher.

Da der Umbau der Brackweder Hauptstraße und damit der StadtBahn-Linie 1 in diesem Bereich weiter auf sich warten lässt, müssen wir in diesem Jahr im Interesse eines sicheren StadtBahn-Betriebs für rund eine Million Euro Gleise und Gleisunterbau umfassend zu erneuern.
Uns ist es gelungen, diese Maßnahme ganz kurzfristig teilweise in den April vorzuziehen, als wegen der Corona-Einschränkungen die Geschäfte und Schulen ohnehin geschlossen waren. »Unsere Lieferanten und die Baufirmen haben uns bei unserer spontanen Planänderung sehr gut unterstützt. So sind jetzt schon drei von fünf Bauabschnitten fertig, ohne dass die Auswirkungen auf Anlieger und Fahrgäste allzu groß waren«, zeigt sich Steinbrecher zufrieden. »Den Rest der Arbeiten erledigen wir am Ende der Sommerferien.«

Weniger Fahrgäste durch Corona

Die Corona-Krise wird sich deutlich auf das Jahresergebnis 2020 auswirken. Im März, als die Corona-Epidemie auch Bielefeld erreichte und es zu den harten Einschränkungen im öffentlichen Leben kam, brachen die Fahrgastzahlen ein. Am Tiefpunkt im April fuhr nur noch ein Viertel der Fahrgäste mit – 55.000 statt 220.000 an einem normalen Werktag. Anfang Juni hatte sich die Auslastung der Fahrzeuge auf etwa 40 Prozent des Normalen erholt. Dieser Rückgang der Fahrgastzahlen wird sich bis zum Jahresende nicht ausgleichen lassen.

Trotz der stark gesunkenen Kundennachfrage haben wir selbst beim Sonderfahrplan während der Hochphase der Corona-Einschränkungen, der ab dem 30. März galt, immer noch Zweidrittel der Fahrten angeboten.

Und seit dem 4. Mai fahren StadtBahnen und Busse - mit Ausnahme der NachtBusse – wieder nach Normalfahrplan. Geschäftsführer Uekmann: »Wir sahen und sehen dies als Teil der Daseinsvorsorge an. Wir möchten es unseren Fahrgästen ermöglichen, viel Abstand in den Fahrzeugen halten zu können.«

Und er betont, dass das Unternehmen sehr früh und erfolgreich gehandelt hat, um das systemrelevante Personal und auch die Fahrgäste zu schützen. Das reichte von einem geänderten Schichtbetrieb in Werkstätten und Leitstelle über zusätzliche Reinigung der Fahrzeuge bis hin zu dem sehr schnellen Einbau von Trennscheiben in den Bussen.
»Viele Kollegen aus anderen Verkehrsbetrieben haben gestaunt, wie schnell wir das hinbekommen haben – von der Idee über die Produktion und TÜV-Abnahme bis hin zum Einbau.«

Finanzielle Folgen der Pandemie noch ungewiss

Noch lässt sich nicht genau abschätzen, welche Auswirkungen es durch die Corona-Krise auf das Jahresergebnis geben wird. Viel hängt davon ab, wie schnell sich das gesellschaftliche und wirtschaftliche Leben weiter normalisiert. Eine eventuelle zweite Infektions-Welle mit erneuten Einschränkungen würde sich auf die Fahrgastzahlen und damit das Jahresergebnis zusätzlich negativ auswirken.

Uekmann geht davon aus, dass die Corona-Pandemie selbst bei weiterhin positiver Entwicklung ein Loch in Höhe eines mittleren einstelligen Millionenbetrags in die Kasse reißen wird. »Wir sind in engem Austausch mit der Stadt wegen der Corona-Auswirkungen. Es bewährt sich angesichts der Krise, dass moBiel als Tochter der Stadtwerke Bielefeld einen starken Partner an der Seite hat«, so Uekmann.

Aber die finanziellen Folgen der Pandemie seien so heftig, dass man ebenso wie die anderen Verkehrsunternehmen und der Dachverband VDV froh sei, dass Bund und Land den systemrelevanten Nahverkehr mit einem Milliardenbetrag unterstützen wollen. »Denn wir brauchen den ÖPNV auch nach Corona, um Verkehrswende und Klimaschutz zu stemmen.«

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